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Zur Geschichte der Dietschweiler Mühle


Von Richard Groß

erschienen in:
Westrichkalender, Landkreis Kusel (Herausgeber), 1983, S. 117-119

Eine Mühle scheint in jeglicher Zeit auf die Bevölkerung einen besonderen Reiz ausgeübt zu haben. Sie war in der überwiegend agrarwirtschaftlich geprägten Vergangenheit einer der wichtigsten Zielpunkte der Menschen zur Weiterverarbeitung ihrer Ernteerzeugnisse, war Treffpunkt der Bauern und bot Zeit für Fachsimpeleien, Austausch von Neuigkeiten und für Späße aller Art. Oft wurde die Fahrt zur Mühle als erzieherisches Mittel gegenüber den Kindern eingesetzt, und nur wer brav gewesen war, durfte den Wagen zur Mühle besteigen und auf den Getreidesäcken mitfahren.

Als nach dem letzten Krieg die Mühlen immer seltener wurden, man spricht sogar vom Mühlensterben, blieb das Interesse der Bevölkerung um das Geschehen in und um die Mühle immer noch groß, aber die Sachkenntnis wurde geringer. Städter hielten beim Sonntagsausflug an, wanderten neugierig um die Mühle und suchten das Wasserrad oder gar den Mühlstein im Wasser unter dem Überlauf neben der Einlaßschleuse zur Turbine und wollten gar der Aussage, daß hier eine Turbine das Wasserrad schon längst abgelöst hat, keinen Glauben zu schenken. Zu festgefahren sind idyllische Vorstellungen und Klischeebilder über dir romantische Mühle am rauschenden Bach, so daß darin für moderne Entwicklungen kein Platz mehr vorhanden ist. Mühlen haben wegen ihrer Bindung an günstige Gefälleverhältnisse in ihrer Gschichte meist eine lange Standortkontinuität. So wissen wir schon von einer "mule zue Dietshwyler" aus dem Jahre 1437 und fast lückenlos läßt sich bis 1717 - von da ab bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts existieren eine Ölmühle und eine Mahlmühle nebeneinander, - die Geschichte der Mühle zurückverfolgen.

Geblieben ist der Standort der Mühle. Gewandelt haben sich ebenso wie die Namen der Müller, die Art der Energiegewinnung und die Technik des Mühlwerks. So sind für 1768 drei Wasserräder in einer Lageskizze eingezeichnet die wohl unter- oder mittelschlächtige Wasserräder waren. Vom Gefälle her dürften oberschlächhtige Wasserräder nicht in Frage gekommen sein.

Wenige Jahre nach dem Mühlenneubau der 1884 beendet wird, werden die Wasserräder durch eine Turbine der Francisbauart ersetzt, eine der ersten Turbinen am Glan. Heute ist sie durch eine Austauschmaschine ersetzt die noch voll funktionstüchtig ist. Seit dem vorigen Jahrzehnt aber ist die Mühle durch einen Teerölmotor von der Wasserkraft unabhängig geworden. Das Stauwehr oberhalb des Mühlgrabens ist verschwunden.

Von den alten Inneneinrichtungen der Mühle zeugt ein heute noch vorhandener Mühlstein, ein Bodenstein aus der längst vergessenen Öhlmühle, der die Fahrbahn für zentnerschwere Läufersteine bildete die darin Ölsamen auspreßten.

Vor dem Einsatz von Walzenstühlen und einem Plansichter - eine kompliziert gebaute, im Umlauf Mehl aussiebende Maschine - existierten nach alten Angaben zumeist zwei Mahlgänge und ein Schälgang, in denen zwischen einem festen und einem rotierenden Stein das Getreide zerkleinert wurde und das Mahlgut danach durch Beuteln in Mehl und andere Bestandteile getrennt wurde. Eine Vorstellung über den Aufbau der Mahlgänge vermittelt heute noch ein in der Mühle vorhandener Schrotgang zur Herstellung von Viehfutter, der nach diesem althergebrachten Prinzip funktioniert. In der Vergangenheit hatten die Abgaben der Müller an die Obrigkeit in der Anzahl der Mahlgänge sowie der Gefällhöhe und dem Wasseraufkommen eine Bemessungsgrundlage.

Die heutigen modernen Großmühlen erinnern in ihrem Äußeren und in ihrem Innenleben nicht mehr an eine Wassermühle sondern lassen sich nur noch mit industriellen Produktionsanlagen vergleichen.

Gebäudeansicht mit Mühlgraben

Vorschau 350 x 510 Pixel, Größe: 38 kb
 

Lageplan von 1768

Vorschau 536 x 440Pixel, Größe: 54 kb
 

Die um die Jahrhundertwende abgebrochene Ölmühle

Vorschau 400 x 377 Pixel, Größe: 35 kb
 

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